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Preußische Allgemeine Zeitung
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Beschreibung Deutsche Wochenzeitung
Sprache Deutsch
Verlag Verlag Landsmannschaft Ostpreußen
Erstausgabe 1. April 1950
Erscheinungsweise wöchentlich
Verkaufte Auflage (Verlag) > 18.000 Exemplare
Reichweite (Verlag) 0.05 Mio. Leser
Chefredakteur Jan Heitmann
Herausgeber Landsmannschaft Ostpreußen
Weblink Preußische Allgemeine Zeitung
ISSN 0947-9597

Die Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung und das Organ der Landsmannschaft Ostpreußen (LO). Von 1950 bis 2003 trug die Zeitung den Titel Ostpreußenblatt, ein Vorläufer wurde 1949 unter dem Titel Wir Ostpreußen gegründet. Die PAZ schätzt sich selbst als „wertkonservativ orientierte, unabhängige und überparteiliche Wochenzeitung“, die „über Politik, Kultur und Wirtschaft“ informiert, ein, wendet sich nach eigener Aussage an eine Leserschaft, „die über ein ausgeprägtes Geschichtsbewußtsein verfügt“ und nimmt für sich in Anspruch „auch über das zu schreiben, was andere verschweigen.“[1] Von wissenschaftlicher Seite wird sie überwiegend der Neuen Rechten zugerechnet.[2][3]

Geschichte Bearbeiten

Gründung 1950 Bearbeiten

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Datei:PAZ000000 Ostpreußenblatt klein.png

Die Zeitung entstand aus dem Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) Wir Ostpreußen, das in deren Auftrag vom ehemaligen Major der Wehrmacht Horst Frischmuth herausgegeben wurde. Die erste Ausgabe dieses Verbandsorgans erschien am 1. Februar 1949 in Hannover.[4] Kurz darauf kam es zwischen Frischmuth und der Landsmannschaft zu Differenzen, weil Frischmuth nach Ansicht der Landsmannschaft dieser „den ihr zustehenden Einfluss auf das Blatt“ verwehre. Eine gerichtliche Verfügung ermöglichte der Landsmannschaft ab 1. Juli 1949 die Gestaltung des Mitteilungsblattes in ihrem Sinne. Nach einem Rechtsstreit mit der Druckerei stellte die LO die Herausgabe von Wir Ostpreußen ein und gab stattdessen ab dem 1. April 1950 ein neues Blatt unter dem Titel Das Ostpreußenblatt heraus. Zuvor wurde eine „Probenummer“ an alle Bezieher von Wir Ostpreußen versendet.[5] Die ersten beiden Chefredakteure waren Martin Kakies (bis 1959) und Eitel Kaper, ihnen folgte 1967 Hugo Wellems, nach dessen Tod 1995 übernahm Horst Stein die Aufgabe.

Das Ostpreußenblatt wurde, wie auch andere Presseorgane von Vertriebenenverbänden, primär für die politische Klientel der Landsmannschaften geschaffen. Es konnte vor allem aufgrund der Zahl der aus Ostpreußen vertriebenen Bundesbürger (rund 1,2 Millionen) eine vergleichsweise hohe Auflage aufweisen: Zwischen 1952 und 1968 war die Zeitung stets die auflagenstärkste unter den Vertriebenenzeitungen, unterlag jedoch nach 1960 wie die meisten dieser Publikationen schwindenden Leserzahlen. Zwar konnte das Ostpreußenblatt zeitweilig über 88 % der rund 130.000 Mitglieder der LO und etwa 9 % aller ehemals in Ostpreußen ansässigen Bundesbürger erreichen; die zunehmende Integration der Vertriebenen in die Gesellschaft ließ jedoch das Interesse an entsprechenden Zeitungen sinken.

Neuausrichtung 1997–2008 Bearbeiten

1997 wurde Elimar Schubbe als Chefredakteur des Ostpreußenblattes berufen. Er versuchte vor dem Hintergrund des Leserschwundes neue Zielgruppen zu erschließen. Ein erster Schritt dazu war die Schaffung eines eigenen Internetauftritts 1997, um auch Leser außerhalb der Vertriebenenverbände zu werben. Gleichzeitig initiierten die LO und das Ostpreußenblatt einen Preußischen Mediendienst, der dem Verkauf von Büchern und Videos zu geschichtlichen, kulturellen und politischen Themen, die über reine Vertriebenenthematiken hinausgehen. Die Betreuung dieses Dienstes wurde vom als rechtsextremistisch eingestuften Verlag Siegfrid Bublies aus Koblenz übernommen. Zudem verlegte sich das Ostpreußenblatt stärker auf Inhalte abseits der Vertriebenenthematik und nahm etwa ein Feuilleton mit überregionalem Anspruch in das Blatt auf. Zwar blieb der „Heimatteil“ der Zeitung weitgehend unverändert bestehen, darüber hinaus entwickelte sie sich jedoch zunehmend zu einem Medium auch für ultrakonservativ und neurechts geprägte Autoren und Leser. Mit der Beilage Preußische Zeitung wurde zudem der Grundstein für eine weitere, schrittweise Loslösung vom Vertriebenenblatt hin zu einer überregionalen Wochenzeitung gelegt. [6] Schubbes Nachfolger Hans Heckel und Peter Fischer setzten seinen Kurs fort, ebenso der von 2000 bis 2006 amtierende Chefredakteur Hans-Jürgen Mahlitz. Zu Ostern 2003 wurde das Blatt in Preußische Allgemeine Zeitung umbenannt, womit die ehemalige Beilage zur eigentlichen Zeitung aufgewertet wurde, während der vertriebenenspezifische Innenteil mehr und mehr selbst zur Beilage wurde. Dies geschah, wie der Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg betonte, um neue Leser für das Blatt zu gewinnen, dessen zahlende Leserschaft „in den letzten drei Jahren dramatisch zurückgegangen“ sei. Demnach hätten 90 % der Leser das 65. Lebensjahr überschritten und 30 % der Leser seien älter als 80 Jahre. [2]

Auf Mahlitz folgte 2006 Klaus D. Voss, der seitdem den Chefredakteursposten innehat.[7] Auf Voss folgte im September 2008 Konrad Badenheuer, der zuvor Redakteur beim Bayernkurier gewesen war, ihm folgte am 1. Juli 2011 Dr. Jan Heitmann.[8][9]

Erneuerung der Zeitung seit 2008 Bearbeiten

Die Preußische Allgemeine Zeitung erfuhr seit September 2008 eine Reihe von Veränderungen, die in der Summe auf einen Relaunch des Blattes hinauslaufen: Seither erscheint die Zeitung auch in den Innenseiten durchgehend farbig. Wenig später wurden eine Kommentar- und eine Wirtschaftsseite neu eingeführt, im November 2008 wurde der Internetauftritt des Blattes grundlegend erneuert. Seit Juli 2009 verwendet die Zeitung die neue Rechtschreibung. Wenig später wurde die Bindung des Abonnements an die Mitgliedschaft in der Landsmannschaft Ostpreußen aufgehoben. Laut Impressum der PAZ werden die Bezieher nur noch dann, „wenn sie keinen anderen Willen äußern“ mit Beginn des Abonnements Mitglieder der Landsmannschaft. Gleichzeitig begann eine Werbekampagne der Zeitung im Internet, die auf mehreren, politisch verwandten Seiten geschaltet wurde.

Ab Oktober 2009 wurde der Kopf der Zeitung zeitweilig dahingehend modifiziert, dass der Untertitel Mit Ostpreußenblatt statt zuvor Das Ostpreußenblatt lautete. Der traditionelle Name der Zeitung bezeichnete damit nur noch deren Innenteil. Mittlerweile erscheint die Zeitung wieder mit ihrem alten Untertitel. Mitte Dezember 2009 vermeldete die Zeitung erstmals seit längerer Zeit einen Anstieg der verkauften Auflage.

Autoren Bearbeiten

Der Autorenstamm besteht unter anderem aus den Publizisten Jürgen Liminski, Jean-Paul Picaper und Klaus Rainer Röhl, dem Wissenschaftspolitiker George Turner, dem Journalist Hans-Jürgen Mahlitz, dem Historiker Manfred Kittel sowie dem früheren brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm. Des weiteren gibt es Überschneidungen mit der neurechten Wochenzeitung Jungen Freiheit, beispielsweise Götz Eberbach, Lothar Groppe, Thorsten Hinz, Klaus Hornung, Karl Lincke (alias Carlos Izquierda), Alfred Schickel, Carl Gustaf Ströhm und Stefan Winckler. Einige Autoren, die sich in der rechtsextremen Szene zu sehr exponiert hatten, wurden Anfang des Jahrtausends von der Autorenliste gestrichen, darunter Rigolf Hennig, Horst Mahler und Hans-Helmuth Knütter.[2]

Struktur, Erscheinen und Verbreitung Bearbeiten

Die Zeitung umfasst in der Regel 24 oder 28 Seiten. Aus besonderen Anlässen, etwa zu Weihnachten, erscheint sie im Umfang von bis zu 36 Seiten. Ihrer Struktur nach entspricht die PAZ anderen Tages- oder Wochenzeitungen, wobei an die Stelle eines Lokalteils ein achtseitiger Innenteil mit Berichten über Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart tritt. Die PAZ erscheint samstags und hat eine Auflage von mehr als 18.000 Exemplaren;[10] nach eigenen Angaben erreicht sie etwa 50.000 Leser.[11]

Seit dem 29. Januar 2010 ist die Zeitung nahezu bundesweit an Kiosken erhältlich, nachdem sie vorher nur im Abonnement zu beziehen war.[10]

Resonanz Bearbeiten

Im Handbuch Deutscher Rechtsextremismus wurde die Zeitung 1996 wie folgt charakterisiert:

„Als Organ der LO hat das Ostpreußenblatt seit Beginn seines Bestehens eine aggressive revanchistische Politik propagiert und die Verbrechen des Hitler-Faschismus beschönigt oder gänzlich geleugnet. Es trat und tritt für die Rückgewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete ein und unterstützt eine Politik der Regermaniserung in diesen Gebieten, während es rassistische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Asylsuchende in der BRD betreibt.[12]

Sowohl die Historiker Wolfram Wette[3] und Peter Oliver Loew[13] als auch die Politikwissenschaftler Alexander Geisler, Stephan Braun[14] und Wolfgang Gessenharter[15] sowie der Autor Anton Maegerle sehen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung und ihren Vorgängertiteln Publikationsorgane der Neuen Rechten. Laut Maegerle versuche die Zeitschrift, einen Brückenschlag vom konservativen Spektrum zur rechtsextremen Szene herzustellen. Davon zeugten unter Anderem holocaustrelativierende Beiträge, die Forderung nach einem Schlussstrich unter der deutschen Vergangenheitsbewältigung und die große personelle Überschneidung mit anderen neurechten Publikationen und Organisationen. [2]

Weblinks Bearbeiten

Verwendete Literatur Bearbeiten

  • Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster: Die „Junge Freiheit“ der „Neuen Rechten“. Bundes- und landespolitische Perspektiven zur „Jungen Freiheit“ und den Medien der „Neuen Rechten“. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007. ISBN 3-531-15421-4, S. 15–41.
  • Wolfgang Gessenhartner: Die Neue intellektuelle Rechte und ihre Unterstützung durch Politik und Medien. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS Verlag, 2004. ISBN 3-8100-4153-X, S. 17–26.
  • Peter Oliver Loew: Ein Polenbild der deutschen Rechten? Inhalte – Funktionen – Gefahren. In: Dieter Bingen, Peter Oliver Loew, Kazimierz Wóycicki (Hrsg.): Die Destruktion des Dialogs: zur innenpolitischen Instrumentalisierung negativer Fremd- und Feindbilder; Polen, Tschechien, Deutschland und die Niederlande im Vergleich, 1900-2005. Otto Harrassowitz Verlag, 2007. ISBN 3-447-05488-3, S. 328–344.
  • Anton Maegerle: Autorengeflecht in der Grauzone. Blätter zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS Verlag, 2004. ISBN 3-8100-4153-X, S. 35–43.
  • Samuel Salzborn: Grenzenlose Heimat. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Vertriebenenverbände. Elefanten Press, Berlin 2000. ISBN 3-88520-770-2.
  • Andreas Stickler: Ostdeutsch heißt gesamtdeutsch. Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzungen der deutschen Vertriebenenverbände 1949–1972. Droste, Düsseldorf 2004. ISBN 3-7700-1896-6.
  • Wolfram Wette: Filbinger, eine deutsche Karriere. Zu Klampen, 2006. ISBN 3-934920-74-8.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Preußische Allgemeine Zeitung: Anzeigenpreise. Anzeigenpreisliste, gültig ab Sept. 2010. Abgerufen am 7. Februar 2011.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Maegerle 2004, S. 37–38.
  3. 3,0 3,1 Wette 2006, S. 143.
  4. Erste Ausgabe Wir Ostpreußen, 1. Februar 1949
  5. „Probenummer“ des Ostpreußenblatt, März 1950
  6. Salzborn 2000, S. 116–121.
  7. Stamm-Mediennewsletter vom 2. August 2006 (PDF-Datei)
  8. Preußische Allgemeine Zeitung vom 6. September 2008
  9. Preußische Allgemeine Zeitung vom 2. August 2008
  10. 10,0 10,1 „Wir sind einfach preußisch!“, Interview mit Konrad Badenheuer, in: Junge Freiheit, 29. Januar 2010
  11. Preußische Allgemeine Zeitung - die Leser. Abgerufen am 21. Januar 2010.
  12. Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 423.
  13. Loew 2007, S. 330.
  14. Braun et al. 2007, S. 28.
  15. Gessenhartner 2004, S. 24.